Wie schnell ist das Glasfasernetz in meinem Unternehmen?
Als B2B-Telekommunikationsanbieter werden wir regelmäßig von KMU, Mittelständlern oder Großunternehmen im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) gebeten, Glasfaseranschlüsse in ihren Büros bereitzustellen.
Doch bevor die Glasfaser verlegt wird, muss die richtige Bandbreite ermittelt werden. Geschäftsglasfaser mit garantierter und symmetrischer Datenrate (SLA-basiert)? Zweifellos die richtige Wahl. Shared-Fibre-Anschlüsse (FTTH-Privatkundentarife) bieten keine ausreichenden Garantien für die Anforderungen moderner Unternehmenskonnektivität – insbesondere nicht vor dem Hintergrund der ISDN-Abschaltung, der fortschreitenden All-IP-Migration und der Cloud-First-Strategien, die im DACH-Raum mittlerweile Standard sind.
Die zentrale Frage lautet also: Welche Glasfaserbandbreite benötigen Sie wirklich, um alle Ihre Mitarbeitenden performant anzuschließen? Wie dimensionieren Sie Ihren Geschäftsanschluss korrekt?
Wird die Bandbreite unterschätzt, kommt es zu Engpässen, die Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit negativ beeinflussen – insbesondere bei Videokonferenzen über Microsoft Teams, Zoom oder Google Meet, die im DACH-Raum inzwischen zum beruflichen Alltag gehören. Wird die Bandbreite überschätzt, entstehen unnötige Kosten. Generell empfehlen wir jedoch, mit ausreichend Reserve zu planen, da der Bandbreitenbedarf stetig wächst (Cloud, KI-Anwendungen, 4K-Videokonferenzen, hybride Arbeitsmodelle).
Der Schlüssel zur richtigen Dimensionierung liegt in der Betrachtung der zu erwartenden Lastspitzen. Wenn Sie täglich zwischen 9:00 und 10:00 Uhr (klassische Meeting-Slots im DACH-Raum) oder zwischen 14:00 und 16:00 Uhr eine Verbindungsspitze feststellen, müssen die Bandbreiten so ausgelegt sein, dass die Servicequalität auch in diesen Spitzenzeiten gewährleistet bleibt.
Im Folgenden stellen wir Ihnen zwei sich ergänzende Ansätze zur Dimensionierung Ihres Geschäftsglasfaseranschlusses vor: den mathematischen und den empirischen Ansatz.
Der mathematische Ansatz
Jede Internetnutzung verbraucht Bandbreite. Der mathematische Ansatz besteht darin, alle zu erwartenden Nutzungsszenarien im Unternehmen aufzulisten, den Bandbreitenbedarf für jedes Szenario abzuschätzen und anschließend Annahmen zur Gleichzeitigkeit (Concurrency) zu treffen, um die Lastspitzen zu ermitteln.
Bandbreitenbedarf für die wichtigsten geschäftlichen Anwendungen:
| Anwendung | Mbit/s |
| Web-Browsing / SaaS-Anwendungen (Microsoft 365, Salesforce) | 1 – 2 |
| VoIP-Telefonie (SIP-Trunk, Teams Phone) | 0,1 – 0,5 |
| Videokonferenz HD (Teams, Zoom, Google Meet) | 2 – 3 |
| Videokonferenz Full HD / Gruppenmeeting | 4 – 6 |
| Audio-Streaming | 0,5 |
| Video-Streaming HD | 5 |
| Video-Streaming 4K | 25 |
| Cloud-Backup / Datei-Sync (OneDrive, Dropbox) | 5 – 20 |
| KI-Anwendungen (Copilot, ChatGPT Enterprise) | 1 – 3 |
| VPN-Zugriff / Remote Desktop | 2 – 5 |
Nehmen wir ein Büro mit 100 Mitarbeitenden. Ein sehr vorsichtiger Ansatz wäre, allen Mitarbeitenden gleichzeitig eine Full-HD-Videokonferenz zu ermöglichen und somit eine Gesamtbandbreite von rund 500 Mbit/s vorzusehen.
Realitätsnäher lässt sich die Situation in einem hybriden Arbeitsmodell (im DACH-Raum mittlerweile weit verbreitet) wie folgt abbilden:
- 35 Personen außer Haus (Homeoffice, Außentermine, Geschäftsreisen).
- 25 Personen gleichzeitig in Videokonferenzen (Teams / Zoom).
- 10 Personen nutzen parallel Cloud-Backup oder Datei-Sync.
- 25 Personen arbeiten mit klassischen SaaS-Anwendungen und Web-Browsing.
- 5 Personen offline (Pausen, konzentriertes Arbeiten).
Die benötigte Bandbreite läge in diesem Fall bei rund 250 Mbit/s, aufgerundet auf eine Dimensionierung von 300 bis 500 Mbit/s – mit Reserve für Wachstum und neue Anwendungsfälle (KI, 4K-Videokonferenzen).
Der empirische Ansatz
Der empirische Ansatz ist der Ansatz, den wir bevorzugen, wenn wir Kunden eine Dimensionierung empfehlen.
Dank unseres breiten Kundenportfolios – Unternehmen aller Größen und Branchen im DACH-Raum, die unsere Managed-Connectivity-Lösungen nutzen – verfügen wir über einen umfassenden Datenschatz zum realen Bandbreitenverbrauch. Diese Benchmarks helfen uns dabei, die passende Internetkapazität für jeden Anwendungsfall zu empfehlen.
Beispiel 1: Büro mit 500 Mitarbeitenden (Anbieter digitaler Lösungen, Standort München).
- Bereitgestellt wurden zwei redundante Glasfaseranschlüsse mit je 1 Gbit/s (Gesamtkapazität 2 Gbit/s).
- Gemessene Lastspitzen liegen bei rund 450 Mbit/s.
- Die Dimensionierung erscheint auf den ersten Blick überdimensioniert, wurde vom Kunden jedoch bewusst gewählt: Im Ausfallszenario eines Anschlusses soll die verbleibende Leitung den gesamten Traffic abdecken können (Aktiv-Aktiv-Redundanz mit SD-WAN).
Beispiel 2: Büro mit 1.700 Mitarbeitenden (Medien- und Werbeagentur, Standort Zürich).
- Bereitgestellt wurde ein Glasfaseranschluss mit 10 Gbit/s.
- Die Lastspitzen überschreiten nur sehr selten die 2,5-Gbit/s-Marke.
- Die großzügige Dimensionierung trägt hier kreativen Workflows mit hohen Datenmengen (Videoproduktion, Rendering, Cloud-Upload) und zukünftigem Wachstum Rechnung.
Beispiel 3: Mittelständisches Unternehmen mit 80 Mitarbeitenden (Maschinenbau, Standort Wien).
- Bereitgestellt wurde ein Glasfaseranschluss mit 300 Mbit/s symmetrisch.
- Die Lastspitzen liegen stabil um 180 Mbit/s, vor allem bedingt durch CAD-Datenaustausch mit Lieferanten und Teams-Videokonferenzen.
Durch eine Kombination beider Ansätze – mathematische Schätzung plus Analyse Ihres aktuellen Verbrauchs und Traffic-Verhaltens – lässt sich der für Ihr Unternehmen passende Bandbreitenbedarf zuverlässig ermitteln. Als Faustregel gilt im DACH-Raum: rechnen Sie mit mindestens 2 bis 3 Mbit/s pro Mitarbeitendem für moderne Büroumgebungen mit hybriden Arbeitsmodellen, Cloud-Anwendungen und regelmäßigen Videokonferenzen – Tendenz steigend.
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